Sie sind hier: Bolivar Parafuso

Aufführung unserer Theater-AG

(Aufnahmen von Jens Dickemann (7b) & M.Oczko vom 01.07.09 und 02.07.09)

Mit dem Schauspiel „Bolivar Parafuso“ wurde jetzt an der Leopold-Feigenbutz-Realschule in Oberderdingen eine lange Tradition fortgeführt. Regelmäßig lädt nämlich die Theatergruppe zu Aufführungen ein. Dieses Jahr hatten sich die 32 jungen Akteure um Gülcan Keles und Hans-Martin Vogt ein Stück von Matthias Weißert ausgesucht, das den Roman „Oliver Twist“ von Charles Dickens zur Vorlage hat. Seit Oktober wurde geprobt, zuerst nur am Freitagnachmittag, in den letzten Wochen dann auch an anderen Tagen und sogar am Samstag. Jetzt brannten alle darauf, das Stück endlich vorzuführen zu dürfen. Gleich zweimal wurde die Aula zur Bühne, neben zahlreichen Zuschauern konnte die Truppe am zweiten Abend einen ganz besonderen Gast begrüßen: Matthias Weißert, der in Berlin lebende Autor des Stückes, saß im Publikum.
Die Handlung der modernen Fassung wurde nach Brasilien verlegt und spielt im Straßenkinder-Milieu des 20. Jahrhunderts. Aufgezeigt werden die krassen Gegensätze von Arm und Reich und das Leben vieler Straßenkinder zwischen Verwahrlosung und Kriminalität.  Bolivar Parafuso, Waisenjunge und Hauptfigur des Stückes, wird wegen angeblicher Aufsässigkeit aus dem Waisenhaus geworfen und findet zunächst Unterkunft und Arbeit in einem Beerdigungsinstitut. Nachdem dort seine Mutter als „Nutte“  beschimpft wird, kommt es zur Prügelei und Bolivar landet auf der Straße. Er schließt sich einer Kinderbande an und gerät bald in Verdacht, Senior Brunoleschi bestohlen zu haben. Beim Verhör erweist sich jedoch seine Unschuld und Brunoleschi nimmt den übel zugerichteten Bolivar mit nach Hause.  Zudem erinnert der Junge ihn an seine Tochter, die samt Kind seit dessen Geburt verschwunden ist. Er will die Herkunft Bolivars klären, Herberto, der geldgierige Neffe Brunoleschis, will dies allerdings unter allen Umständen verhindern. Er besticht die Leiterin des Waisenhauses und legt ein - gefälschtes – Dokument  vor, das belegt, dass Bolivar der Sohn einer Prostituierten und nicht der verschwundene Enkel ist.
Doch anständige und reumütige Menschen bringen die Wahrheit ans Tageslicht. Lola, die Prostituierte, verhilft Bolivar zur Flucht, die alte Betty offenbart auf dem Sterbebett ein Geheimnis: Sie hat das Medaillon von Bolivars verstorbener Mutter. Auch die Fälschung des Dokumentes wird aufgedeckt und nachdem Brunoleschi Herberto und seine Mutter aus dem Haus geworfen hat, kann er endlich den lange vermissten Enkel in die Arme schließen.
Das Publikum war begeistert, spendete reichlich Applaus und entließ die jungen Akteure erst nach mehreren „Vorhängen“. Den Beifall hatten sich die Schauspieler redlich verdient. Nicht nur die schwülen Temperaturen brachten sie ins Schwitzen, viele hatten mehrere Rollen übernommen und alle mussten kräftig mit anpacken, um zwischen den einzelnen Bildern in Windeseile die Bühne umzubauen.

Text: Michaela Kallenbach