Ein Drama zum Wachsen

„Was lachst du? Es ist nicht zum Lachen, wenn einer Jud‘ ist!“, ruft der Soldat aufgebracht. Rund 20 Zehntklässler der Oberderdinger Leopold-Feigenbutz-Realschule (LFR) inszenierten am vergangenen Donnerstag das Drama „Andorra“ von Max Frisch.

Seit Juni vergangenen Jahres setzen sich die Schüler aus den Abschlussklassen 10a und 10c auf schauspielerische Art mit ihrer Prüfungslektüre auseinander. Der Leiter des Klassenprojektes Hans-Martin Vogt zeigte sich begeistert und sagte: „Es ist toll, wie die Gruppe während unserer intensiven Probenarbeit zusammen- und über sich hinausgewachsen ist“. Unterstützt von Gabriele Barth und Doris Heß (Kulissenbilder) organisierte Vogt bereits das dritte Theater-Projekt dieser Art.

Eindrucksvoll verkörperten Daniel Deeg und Emil Britzelmaier den Protagonisten Andri. Er ist Jude und verliebt sich in Barblin, gespielt von Mona Lehmann. Dabei ahnt Andri zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Barblin seine Halbschwester ist. Dass der Vater, dargestellt von Jana Kornherr und Maximilian Konrad, die Verlobung seiner Kinder ablehnt, schreibt der nichtsahnende Andri seinen jüdischen Wurzeln zu. Nur langsam machen die Schauspieler die Lüge um Andris wahre Identität und das feige Verhalten der Andorraner transparent. Als Jannik Follner alias Pater Benedikt die Lüge des Vaters um den adoptierten jüdischen Jungen aufklären will, hat Andri bereits alles Vertrauen verloren. Die Frage: „Bin ich anders, als alle anderen?“, lässt den jungen Mann nicht los. Vielmehr treibt sie ihn in die Verzweiflung und er stellt fest:  „Ich mag mich selbst nicht, wenn ich an mich denke“.

Abseits des Geschehens auf der Bühne legen die Charaktere ihre antisemitischen Beschimpfungen gegenüber Andri ab. Auf der Treppe bewertet jeder das eigene Verhalten im Drama rückblickend. Doch weder der Soldat( Benjamin Neubauer), noch der Wirt ( Dominik Junker) oder der Arzt (Yannik Simon) gestehen sich selbst die Mitschuld an Andris Tod. Lediglich der Pater sieht ein: „Auch ich habe ihn an den Pfahl gebracht“.

Am Ende des Abends zeigten sich die Realschüler sichtlich erleichtert über ihren Erflog im Scheinwerferlicht. Andorra war die erste von insgesamt neun Theater-Aufführungen in diesem Schuljahr. Hans-Martin Vogt probt derzeit auch mit Fünftklässlern und einem Ensemble des Lehrerkollegiums. Die Theater-AG gastiert im Mai im Sandkorntheater Karlsruhe. Dort dürfen die Mitglieder des Ensembles die Schülertheatertage eröffnen, bevor sie auch dieses Schuljahr mit drei Aufführungen in der Aula der LFR beenden.

Lisa Reiff

 
 

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