< Schuldisco am Freitag, den 20.01.2006
19.01.2006 17:12 Alter: 13 Jahr(e)

(Schul-) Betrachtungen einer Norwegerin

Anfang November 2005 habe ich meinen Koffer zu Hause in Norwegen gepackt, um für sechs Monate nach Deutschland als so genannte COMENIUS-Fremdsprachenassistentin zu reisen. Ich bin gut hier in Oberderdingen angekommen, und jetzt ist schon über ein Drittel meiner Zeit als Assistentin an der LFR vorbei. Es ist wohl an der Zeit, dass ich mich hier auf der Internetseite vorstelle und einige Gedanken mit euch teile.


COMENIUS ist ein EU-Programm, das die Zusammenarbeit zwischen

europäischen Schulen fördert. Dieses Schuljahr sind mehr als 1.000

Assistenten an Schulen in Europa tätig, und ich bin froh, dass ich

einer von ihnen bin! Ein Auslandsaufenthalt lohnt sich meiner Meinung

nach immer. Man lernt nicht nur viel über das andere Land, sondern

sieht auch sein eigenes Land von außen. Dabei merkt man, dass Dinge,

die man bisher für selbstverständlich gehalten hat, vielleicht gar

nicht so selbstverständlich sind.


Schule in Deutschland und Norwegen

Obwohl ich früher zwei Semester an deutschen Universitäten verbracht

habe, wusste ich sehr wenig über das deutsche Schulsystem bevor ich

nach Oberderdingen kam. Bis jetzt habe ich herausgefunden, dass

vieles in der deutschen und der norwegischen Schule ähnlich ist; zum

Beispiel sind die Fächer fast dieselben. Aber einige Sachen sind auch

anders. Ein wichtiger Unterschied ist, dass alle norwegischen Schüler

von der 1. bis zur 10. Klasse Gesamtschulen besuchen. Soviel ich weiß,

gibt es bei uns auch keine Sonderschulen – alle Schüler gehen in

derselben Schule. Anders ist auch, dass die norwegischen Schüler erst

ab der 8. Klasse Noten bekommen. Ein weiterer – kleiner - Unterschied

besteht darin, dass der Schultag an den meisten norwegischen Schulen

erst um 8.30 oder 9.00 Uhr anfängt, was für einen Langschläfer wie mich

gut gepasst hat… Vielleicht hängt der spätere Anfang damit zusammen,

dass es im Winter in Norwegen so spät morgens hell wird und es deshalb

schwieriger ist, früh aufzustehen und etwas Vernünftiges zu machen...?

Wenn der Unterricht bei uns dann am Nachmittag vorbei ist, können die

Schüler der 1. bis 7. Klasse noch ein paar Stunden in der Schule

bleiben und dort betreut werden. Dafür müssen die Eltern allerdings

etwas bezahlen.

Wenn von Unterschieden die Rede ist, muss ich am Rande auch erwähnen,

dass ich lange gebraucht habe, um mich daran zu gewöhnen, Frau Simensen

genannt zu werden. Das werde ich wohl nie in Norwegen erleben; bei uns

werden nämlich alle außer den Königlichen geduzt.


LFR und Oberderdingen

In meinen Augen ist der Schultag an der LFR von einem hohen Tempo

geprägt, und sowohl die Schüler als auch die Lehrer haben einen

hektischen Alltag. Auch deshalb finde ich es toll, dass die Schule in

Projekten wie das COMENIUS-Projekt über Energie involviert ist und mich hier aufgenommen hat.


Die Schüler, die ich hier kennen gelernt habe, sind sehr nett. Manchmal

laut, manchmal unkonzentriert, aber das könnte man wohl mehr oder

weniger über alle Schüler auf der Welt sagen. Ich denke, dass man hier

merkt, dass die Schule in einem ländlichen Gebiet liegt, wo einige

typische „Stadtprobleme“ nicht vorhanden sind. Ich komme selber aus

einer Gemeinde mit nur ca. 2.000 Einwohnern, und nachdem ich einige

Jahre in Oslo (der Hauptstadt Norwegens) gelebt habe, finde ich es schön, wieder „auf dem Lande“ zu sein.


Als ich diesen Text schreibe, sitze ich in einer Bahn, die in Richtung

Karlsruhe fährt. Ich habe gerade daran gedacht, wie schön die Lage von

Oberderdingen eigentlich ist: Ich kann gleich hinter meinem Haus im

Wald laufen gehen oder durch die Felder Fahrrad oder Inliner fahren.

Zugleich ist man in kurzer Zeit in der Stadt, im Schwarzwald oder oben

in den Gebirgen. Und dabei ist man Mitten in Europa! Glücklicherweise

wird es immer leichter, aus allen Ecken der Welt  - einschließlich

Norwegen – irgendwohin zu reisen. Trotzdem bin ich vielleicht doof, die

ich schon im Mai wieder Oberderdingen verlasse, kurz bevor dem Sommer,

den ich mir hier sehr schön vorstelle. Und dieses Jahr ist ja die

Fußball-WM ein Grund an sich, in Deutschland zu bleiben!


Auf alle Fälle freue ich mich auf die kommenden Monate hier in

Oberderdingen. Ich werde mich wieder auf dieser Internetseite melden

und weitere Gedanken mit euch teilen – unter anderem darüber, wie ich

Oberderdingen, und Deutschland überhaupt, erlebe.

Bis dann wünsche ich euch alles Gute!


Sigrid Simensen


 
 

Kontakt

Leopold-Feigenbutz-Realschule (LFR)

Am Gänsberg 2

D-75038 Oberderdingen


Tel.: 07045-96110

Fax: 07045-961199

Mail: schule 'at' lfr.de

 

 

 
Besucher seit 04.11.2008: 5242274